Bewältigungsstrategien
Coping- oder Bewältigungsstrategien ist das Schlüsselwort. Im medizinischen Sinn bezeichnet Coping das Bewältigungsverhalten von Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen. Die Frage dabei ist, ob selbst bei aller Einsicht und allem Verständnis dieser psychischen Prozesse ein Mensch imstande ist, aus eigener Kraft damit zurande zu kommen. Ich denke, hier ist fachkundige Unterstützung erforderlich, und es muss für Bernd der erste Schritt sein, einen Menschen aus diesem Fach zu finden, dem er sein Vertrauen schenken kann.
Der Umgang mit der Krankheit wurde 2006 in einer Dokumentation über eine Familie verfilmt, in der ein ALS-Fall aufgetreten ist (englisch).
Dieser Leitgedanke lief mir heute über den Weg:
Ich wünsche mir
die Kraft und den Mut,
Dinge zu ändern, die zu ändern sind,
die Ruhe und Gelassenheit,
Dinge anzunehmen und zu akzeptieren,
welche nicht geändert werden können,
und die Weisheit,
das einen vom anderen unterscheiden zu
können.
Wirre Gedanken ...
Bernd rief heute an, ganz normal, er stehe im Stau. Wir telefonieren, und tschüß! - Ein Stau! Was für ein Problem im Vergleich zu seinem gesundheitlichen, denke ich. Alles relativiert sich, alles verschiebt sich ... Wie kann, so denke ich an seiner Stelle, wie kann ich mich unter solch einem seelischen Druck um Speisepläne, Einkauf, Personalprobleme, Steuern, meine Wäsche, ja überhaupt auch um meinen ganz privaten Tagesablauf kümmern?
Ich denke, um diesen Kraftakt zu meistern, hat man nur zwei Alternativen: entweder totales Verdrängen oder akribisches Ordnen. Das eigene Leben neu ordnen: Prioritäten neu definieren, Checklisten aufbereiten, Bewertungen vornehmen und Qualitäten erkennen. Die Spreu des Lebens vom Weizen trennen ...
Klingt formelhaft, ist formelhaft, könnte aber hilfreich sein
Die ALS-Offenbarung
Bernd
im Sommer 2006
Die halbe Nacht habe ich
damit zugebracht, das Internet zu durchforsten, und
ich musste wieder einmal feststellen, dass es keine
schnellere, umfassendere und ergiebigere
Informationsquelle gibt als dieses Medium!
Bei Bernd fing es vor wenigen Wochen an: pelziges
Gefühl in der linken Hand bis hin zum sporadischen
Versagen der Greifkraft - symptomatischer Beginn
dieser Krankheit, die man in diesem Stadium noch
nicht einmal erahnen kann, schon gar nicht, wenn man
wie in den meisten Fällen noch nie von ihr gehört
hat.
Bis zum heutigen Tag ist kein Heilmittel für ALS
bekannt. Mit Hilfe eines Medikaments kann lediglich
eine Verlängerung der Lebenszeit um mehrere Monate
erreicht werden. Die durchschnittliche
Krankheitsdauer beträgt drei bis fünf Jahre - am Ende
steht meist der Tod durch Atemlähmung. "Der
Sterbeprozess verläuft entgegen vieler Befürchtungen
relativ sanft. Die meisten Patienten schlafen ein und
wachen nicht mehr auf" lese ich in einem
Stern-Report und denke: wie
tröstlich ... Die ganze schlaflose Nacht kreisen
unsere Gedanken um Bernd. Jutta bekommt
Heulkrämpfe, ich selbst kann die Nachricht nicht
fassen ...